Von zwei Leben, drei Gewissenlosen und einer die nicht hin sehen will - ein Kommentar von Friedrich

Die Videoaufnahmen aus dem Allgäu zeigen eine Szene, die ich nicht vergessen kann. Warum hat gerade sie sich in meinen Kopf eingebrannt?  Ich habe bereits viel erlebt, habe Trupps gesehen, die in Ungarn Gänsen die Daunen ausreißen; Arbeiter, die Füchse für Pelz totprügeln und Schweinen die ausblutend im Schlachthof albtraumhaft wieder erwachen. Darum: Drei Arbeiter, eine davon mutmaßlich eine tierärztliche Angestellte, versuchen eine Geburt einer kranken Kuh durchzuführen. Das Tier quält sich, mit einem Seilzuggerät wird versucht das Kälbchen aus der Mutter zu zerren. Dabei verzichtet man auf Gleitflüssigkeit und jegliche Vorsicht. Es wird mit rabiater Gewalt an dem Kälbchen gerissen, ein weiterer Strick befestigt und sich sogar mit den Füssen an dem Kälbchen abgestemmt um mehr Kraft entwickeln zu können. Währenddessen checkt er wohl seine Emails, in einer Hand hält er das Smartphone. Auf die Idee, einen richtigen Tierarzt zu rufen, kommt keiner der Arbeiter. Das Tier wird mehrfach mit Gewalt an einer Hüftklammer mit dem Traktor hochgezogen, danach geht das Gezerre weiter. Die Mutter leidet, atmet heftig. Nach 50 Minuten telefoniert einer der Männer, ein Leiter des Betriebs, mit jemanden. Nach dem Gespräch wird der metallische Seilzugapparat abgenommen und der Arbeiter lässt sich ein Bolzenschußgerät geben. Er schießt der Kuh, in der noch zur Hälfte das Kalb steckt, mit dem Betäubungsgerät in den Kopf. Er und die Frau kehren der schwer verletzten Kuh den Rücken zu und gehen. Danach lässt er dass Tier, welches nach wenigen Minuten mit einer schweren höllisch schmerzenden Kopfverletzung aus der Betäubung erwachen wird, mit dem Kalb, das mit dem Kopf am Boden und mit den Hinterbeinen im Körper der Mutter steckt, alleine.  Er lässt beide einen grausamen Tod sterben. Wenn das Kalb nicht schon vorher gestorben ist, so ist es im erkaltenden Körper der Mutter gestorben.  In der Früh,am nächsten Morgen, kommen zwei Arbeiter in den Stall. Sie treten mehrfach ein Tier das im Weg liegt und kaum aufstehen kann. Dann binden sie das Kalb, das im toten Körper der Mutter hängt, an einen Traktor und reißen es aus dem erschlafften Körper der Kuh. Am nächsten Abend liegen Mutter und Kälbchen auf dem Kadaverhaufen. Daneben andere tote Tiere... Kälber, Kühe. Die Köpfe liegen so, dass sich die beiden anblicken. Zufall oder hatte einer der Arbeiter doch ein Herz und wollte Mutter und Kind noch einmal zusammenbringen? Ich bin nicht als emotional bekannt, aber solche Schicksale wühlen mich auf. Vor einer Stunde habe ich eine Mail gelesen von einer Frau, die ihre Fördermitgliedschaft nach wenigen Stunden bereits wieder gekündigt haben wollte. Weil wir ja viel zu radikal wären. Weil wir es wagen würden Menschen zu empfehlen vegan zu leben.  Wie können wir nur?  Ich sage es mit aller Deutlichkeit: Ich bin radikal (der Begriff kommt nämlich aus dem lateinischen "der Wurzel") und wir wollen dieses Unrecht an der Wurzel packen und nicht nur wie andere die Blätter dieses Wildwuchses an Grausamkeit, Ungerechtigkeit und Verachtung abstauben.  Ich sagte zu ihr, dass sie ihr Geld zurück haben kann, dass sie gerne wieder ihre Augenbinde überziehen soll, wenn sie die Wahrheit, die sie auf unseren Seiten gesehen hat, zu sehr gestört hat in ihrer verlogenen selbst zusammengezimmerten Idylle, wo Menschen Tiere ausbeuten ohne dass es zu solchen Szenen kommt. Einer Idylle, in der diese Dame ausblendet, was auf den Transporten passiert, dass die ganzen Kälber im Schlachthof nah und fern verschwinden und dieses System für Milch und Fleisch an allen Ecken vor Widerlichkeiten strotzt.  Darum bin ich stolz, seit 25 Jahren vegan zu leben.  Stolz, dass ich diese Entscheidung damals, umgeben von Bauernkindern, in meiner Schulzeit getroffen habe und all das Mobbing und den Hass ertragen habe, dem man ausgesetzt ist, wenn man es wagt diese Idylle in den Köpfen der anderen zu stören. Und deswegen sage ich allen die Wahrheit, anstatt sie mit Scheinlösungen oder Wohlfühlsprech zu mehr Spendenbereitschaft ködern zu wollen. Dafür stehe ich. Und dafür stehen auch die Menschen ein, die mit mir zusammen gegen dieses Unrecht antreten. Ich danke allen Menschen, speziell den Menschen aus der Landwirtschaft, die uns in den letzten Stunden viel Kraft gespendet haben mit ihrer Unterstützung.  Jetzt beantworte ich mal weiter Mails. Aber das musste raus. Für Erde, Mensch und Tier, Friedrich Mülln PS: not your mum, not your milk!




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