Das Weihnachtsgedicht

Da sitzt er. Beengt, eingepfercht, neben andere gedrängt. Das Licht brennt immer noch, greller Schein, sie werden kommen, heute wird es auch nicht anders sein. Anfangs Hoffnung, zu entkommen, sich befreien.


Aufgegeben, längst vergessen, was es heißt zu leben, wenn der Wind den Körper streicht, wenn das Gras zur Hüfte reicht sich dem völlig hinzugeben, frei sein, lieben, sich bewegen. Wasser auf dem Körper spüren. Unsinn einfach nur vollführen.


Und er hört von draußen doch des Windes rauschen, würde alles für ´nen Tag in Freiheit tauschen.


Doch sie kommen, die Maschine läuft und es ist schon spät. Zwangsernährung, Schmerzen, Grauen. Keiner will ihm in die Augen schauen. Röhren, die sich in Magen bohren. Zu ersticken das Gefühl, doch sie machen weiter mit Kalkül.


Die Reihe ab und ein zweites mal von vorn. Angst, Hilflosigkeit, Panik, Zorn.


Der Körper verfettet, kaum noch Kraft sich zu regen. die Füße wund, es tropft Blut, Schmerzen beim Bewegen.


Tagelang die gleiche Prozedur, bis eines nachts der LKW vorfuhr. Grobes Packen, Leute, die sie drängen, in das Fahrzeug, in noch schlimmere Engen.

Einmal noch den Hals hinausgestreckt in den Wind. waren brutal, doch wer weiß, wo sie jetzt sind.


Neues Leben? Neue Hoffnung? Doch die Angst, sie siegt. Als sie stehen, weiß er, dass mit Angst er richtig liegt.


Blutgeruch, Hektik, weiße Kittel. Und sie packen wunde Füße, hängen sie kopfüber, an das Band, das fährt vorüber. Komischer Geruch, Versuch sich zu befreien.


Warum hängen nun die andern regungslos? Panik in den letzten Augenblicken, Kehle durch, ersticken.


Und da liegt sie nun die Weihnachtsgans. "reich mir Wein dazu, ein schönes Fest, nicht Franz?"


Andrea Stanzel 2013