Das Urteil von Ulm: eine Einordnung nach dem Durchatmen.


Die Empörung war groß nachdem Urteil von Ulm. Auch ich war wütend. Dafür gibt es gute Gründe. Ein desinteressierter Staatsanwalt, ein Richter, der viele Zusammenhänge nicht verstand, Zeugen die gelogen haben wie gedruckt und ein Urteil, dass eben nicht den Opfern und deren Qualen gerecht wird. Aber! Das war der erste nennenswerte Strafprozess gegen einen Massentierhalter seit Jahrzehnten. Was war davor? Davor kam es gar nicht zu Prozessen, davor verhinderten Staatsanwaltschaften und Veterinärämter diese und stellten die Verfahren ein, zu Hunderten, immer und immer wieder. Vor wenigen Jahren erklärte ein Staatsanwalt aus Bayern noch zu den Aufnahmen eines Bauern, der ein Schwein mit den Hammer zerschmetterte, das es schon ok so wäre. Jetzt kostet das ein kleines Vermögen und beendet die berufliche Existenz. Diese Zeiten sind also vorbei und das ist dem gesellschaftlichen Druck, dem friedlichen Protest und mutigen Ermittlern auf Seiten der Zivilgesellschaft und des Staates geschuldet. Denn auch hinter Merklingen steckten z.B Polizisten, die Einsatz zeigten, statt sich dem üblichen Trott zu ergeben. Es hat sich was geändert und so sehr uns alle die Bewährungsstrafe auch wurmt, müssen wir uns auch klar werden, dass ein neuer Wind weht und zwar in unseren Rücken. Momentan stehen ein Dutzend Prozesse in Tierschutzfällen an, Razzien treffen nicht mehr TierschützerInnen sondern Polizei Einheiten stellen Mastanlagen auf den Kopf, klingeln morgens bei korrupten Tierärzten und tragen die Belege des Leidens aus Tierversuchslaboren. Die Behörden schließen Schlachthöfe, Mastanlagen und Tierlabore, es prasselt Tierhalteverbote. Das sind Entwicklungen, die wir nicht zu träumen gewagt hätten, Entwicklungen für die uns unsere MitkämpferInnen im Ausland beneiden. Woran hakt es also? Sicher auch an der Schere im Kopf oder dem Schnitzel auf dem Teller von so machen Beamten, der den neuen Wind zwar spürt, aber ihn mindestens genauso fürchtet. Am meisten hakt es an zwei Stellen. Auf die erste ist leicht zu schimpfen, denn unsere PolitikerInnen haben dem Rechtsstaat ein all zu enges Korsett geknüpft, dass wenig Spielraum lässt für die nötige Gerechtigkeit. Es herrscht Unwillen und Lobbykraft. Aber ist die Lösung der Hass, den man in manchen Kommentaren liest und der Verlust in den Glauben, dass der Staat sich ändern könne im Umgang mit den schwächsten unter uns? Hier kommen wir zu Punkt zwei, den schwierigeren und dem, an dem es wirklich hakt. Wie viele die Schimpfen beteiligen sich nach wie vor an diesem System, konsumieren Tiere, deren Fleisch, deren Milch, ihre Haut? Diese Menschen geben das Mandat für das Versagen der Politik, millionenfach und täglich. Und das ist nicht mit Hass und rufen nach Selbstjustiz zu lösen, nicht mit schnellen Lösungen oder Rattenfängern und Populisten, die neben Menschenhasser und Hetze plötzlich Tierfreunde sein wollen. Das Ganze ist nur auf eine Art zu lösen und wer SOKO Tierschutz kennt, der ahnt es schon. Aufklärung, Vorbild, friedlicher Protest und Geduld, Geduld, Geduld. Denn die Politik wird sich wandeln, wenn die Basis sich wandelt. Und der Wind wird stärker werden und den Wandel in alle Ecken der Gesellschaft tragen. Vielleicht sogar ins Veterinäramt Alb Donau Kreis. Ulm ist nur der Anfang, bald werden vor Gericht die Namen der Orte Bad Iburg, Tauberbischofsheim, Düren, Oldenburg, Düdenbüttel, Hohengöhren , Fürstenfeldbruck, Bad Grönenbach und Hakenberg und viele mehr fallen. Eine neue Generation in der Justiz wird neue Urteile fällen und dem Wandel Rechnung tragen wie es auch langsam aber sicher in anderen Unterdrückungsformen gelingt. Und mit jedem Ortsnamen, mit jedem Urteil, jeder Demo ändern wir friedlich Politik, Land und Menschen. Also Krone wider zurechtrücken und den Weg weitergehen, den wir in den letzten Jahren so erfolgreich bestritten haben. Ps: 20.000 Euro sind ziemlich schmerzhaft und das kann noch viel teurer für Herrn S werden. Wir bleiben dran und wenn er nur eine Katze anfasst sind wir da.




SOKO Tierschutz e.V.

Bodenehrstraße 20

81373 München

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