Skandal um illegale Krähen-Tierversuche weitet sich aus

Zoo lieferte Krähen gegen Spende


An der Universität Tübingen wurden in den letzten 10 Jahren viele Krähen in Tierversuchen geopfert. Die Schädel wurden durchlöchert, Gehirne verkabelt, sogenannte tödliche Finalversuche durchgeführt und Tiere mit Wasser- und Futterentzug zur Teilnahme an Experimenten gezwungen. Bis 2015 kamen die Tiere unter anderem vom Naturschutzbund NABU. Neue Recherchen von SOKO Tierschutz beweisen, dass es speziell danach weitere Lieferanten gab.


Selbst 2020 erhielt die Universität neue Krähen aus dubiosen Quellen.

Laut NABU endete die Kooperation mit dem Experimentator Nieder 2015 nach einer Intervention des Veterinäramts. Danach begann der Forscher der Universität Tübingen mit der Suche nach neuen Krähen-Quellen. Er wurde bei mindestens zwei Tierparks fündig.


Der Tier- und Vogelpark e. V. Forst aus Baden-Württemberg und der Affen- & Vogelpark Eckenhagen aus NRW lieferten nachweislich Krähen, darunter Fundtiere, an die Universität. Die Forscher hatten angegeben, die Tiere sollten nur zur Zucht verwendet werden. „Ob das so war, ist äußerst fraglich, da in diesen Zeiträumen zahlreiche Krähen aus solchen Quellen für Tierversuche eingeplant waren. Es ist eine riesen Schande, dass Tierparks Tiere ohne jeglichen Vertrag oder andere Schriftsätze in die Hände eines Tierlabors geben“, so Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz.


Krähen wurden gegen Spende abgegeben.

Der NABU beteuert bisher, es wäre kein Geld geflossen, hat aber angekündigt, das erneut zu prüfen. Der Vogelpark Forst bestätigte den Eingang von einer Spende als Gegenleistung für die Übergabe von Krähen.

Eine Anfrage von SOKO Tierschutz an den Affen- & Vogelpark Eckenhagen blieb unbeantwortet. Der Vogel und Affenpark verweigerte auch die Antwort auf alle anderen Fragen von SOKO Tierschutz.

„Offenbar hat der Herr Prof. an viele Türen klopfen lassen, um an immer mehr Tiere aus dubiosen Quellen zu kommen - Ein absolut gravierender Vorgang, der an dunkelste Zeiten der Tierversuche erinnert, als es üblich war, dass sich die Experimentatoren Tiere aus Privathaltung oder von Tierfängern organisiert haben. Das ist bezeichnend und spricht für eine erhebliche Verwahrlosung der Zustände an der Uni und einer Gleichgültigkeit gegenüber dem Recht“, so Mülln.


Die Nutzung von wilden Tieren oder Haustieren in Tierversuchen ist nämlich verboten. Die zuständige Behörde hatte die Ausnahmegenehmigungen erst nach Recherchen des Spiegels zum Thema nachgereicht. „Es wird Zeit, dass dieser Sumpf aus willfährigen Behörden und Experimentatoren ohne Nutzen in Tübingen endlich ausgetrocknet wird. Die Tierversuche müssen sofort gestoppt werden“, so Mülln.